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Das Ortsbild von Näfels ist geprägt von geschichtlichen Ereignissen und kulturhistorischen Stätten. Die Frühzeit der Siedlung Näfels erlebte eine kulturgeschichtliche Ueberschneidung und reicht in die spätromanische/alemannische Zeit zurück. Darauf deutet der romanische Ursprung des Ortsnamens: navale, d.h. «Neuland, neu für die Bebauung gewonnenes Land», resp. alemannisch: rauti, welches gleichbedeutend ist. In Näfels fand 1388 jene Schlacht statt, die den Glarnern Freiheit brachte. Zahlreiche Zeugnisse erinnern an das damalige Ereignis. Die Gedenksteine, der Fahrtsplatz und das Schlachtdenkmal, eindrücklich ist aber auch die Letzimauer. Kirche und Kloster zeugen von der besonderen geistlichen Präsenz. Der Freulerpalast ist als architektonische Erscheinung mit dem geschichtlichen Hintergrund eindrücklich, aber ebensosehr als Museum des Landes Glarus. Der Rundgang beinhaltet: Bahnhof Näfels/Mollis – Hofstatt/Rothaus – Kloster Maria-burg – Fahrtsplatz – Gedenksteine – Letzimauer – Schlachtdenkmal – Pfarrkirche St. Hilarius – Grabmal von General Bachmann – Tolderhaus – Freulerpalast. Neben dem Freulerpalast ist dies das bedeutendste Profangebäude in Näfels, inmitten einer herrschaftlich grossen Liegenschaft. Einziges grosses Turmhaus im Kanton Glarus. Die Anlage, wie sie sich heute präsentiert, wurde erbaut von Landammann, Oberst in franz. Diensten und Ritter Fridolin Josef Hauser (1713–1783). Das Haus zur Hofstatt entstand in drei Bauphasen, die noch gut ersichtlich sind. Der erste, südliche Teil muss in die Jahre um 1650 datiert werden. 1746 wurde derselbe aufgestockt und stand unter einem Satteldach. 1777 (diese Jahreszahl ist beim Hausportal ersichtlich) wurde der nördliche Teil und der Turm angebaut. Neben dem grosszügigen Grundriss zeigt das Haus im Innern eine wertvolle Ausstattung. Im zentralen Turmteil eingebaut, ein sehr imposantes Treppenhaus mit einem spätbarocken Nussbaumgeländer. Auf allen Geschossen sind bemerkenswerte Räume, mit aus der Bauzeit stammenden Holzdecken und Malereien. Als besonderes Schmuckstück präsentiert sich der im südlichen Dachgeschoss eingebaute herrliche Stucksaal. 1996 wurde der obere Dachstock durch einen Brand zerstört. Nach aufwändiger und vollständiger Renovation konnte in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz für das Ortsbild von Näfels ein hervorragendes Baudenkmal erhalten und gerettet werden. Das Haus zur Hofstatt/Rothaus hat Ende des 19. Jh. verschiedentlich den Besitzer gewechselt. Es ist heute im Privatbesitz und steht nicht für öffentliche Besichtigungen offen. «Zum Fortbestand, zur geistigen Stärkung und religiösen Erneuerungen der katholischen Minderheit im Lande Glarus» wurde die Kapuzinermission von den eigenen Landsleuten ins Leben gerufen. Alljährlich anfangs April kommt das Glarner Volk anlässlich der uralten Kreuzfahrt in Näfels zusammen. Die Fahrt beginnt im Schneisingen; auf dem Fahrtsplatz wird der Fahrtsbrief verlesen, die Gefallenen genannt und die Fahrtspredigt gehalten. Der Fahrtsplatz ist aber auch aus anderen Gründen von Bedeutung: hier fanden früher die Gemeindeversammlungen und die 1. Augustfeiern statt und bis zum heutigen Tag wird der alljährliche Viehmarkt abgehalten. Zahlreiche Stiche zeugen von der Anziehungskraft, die dieser Platz auf Künstler während Jahrhunderten ausübte. Ihre Entstehung ist weder urkundlich noch archäologisch überliefert; wahrscheinlich entstanden sie bald nach der Schlacht. Ursprüngliche Steine sind jedoch nicht mehr vorhanden; sie wurden im Laufe der Zeit wohl ein- bis zweimal ersetzt. Der erste Stein steht im Schneisingen, am Berghang südlich des Dorfes. Entgegen früherer Annahmen markieren die 11 Kreuzsteine, die den Prozessionsweg bezeichnen, nicht Kampfplätze, sondern ihre Entstehung ist im Zusammenhang mit der Gedenkfeier, der Näfelser Fahrt, zu verstehen. Die Kreuzsteine bilden ein ganz besonderes Denkmal, wie es von keinem anderen Schlachtfeld her bekannt ist. In den Jahren 1351/52 begannen die Glarner mit dem Bau einer mächtigen Talsperre bei Näfels. Der Zeitpunkt der Fertigstellung ist ungewiss, sie muss aber vor 1388 erfolgt sein. Die Talsperre sollte einen Angreifer hindern, ungestört ins Glarnerland einzufallen und die Viehherden wegzutreiben. Sie wurde weder für eine Belagerung noch für die Führung eines entscheidenden Kampfes gebaut. Nach dem bedeutsamen Sieg vom 9. April 1388 stifteten die Glarner Zeichen des Dankes: In Form einer Schlachtkapelle, einer Totenmesse und vermutlich der Fahrtsprozession sowie der Kreuzsteine.
7. Das Grabmal von General Bachmann Die Schweizer Fahne und Näfels General Niklaus Franz von Bachmann wurde am 27. März 1740 in Näfels geboren und starb hier am 11. Februar 1831. Sein Grabmal befindet sich auf dem Friedhof Näfels. Er kam durch Erbschaft an eine Kompanie und war für die Militärlaufbahn bestimmt. Schon am 15. März 1800 hatte er unter englischem Sold gegen Napoleon seinem Regiment in Schwabmünchen rote Fahnen mit einem weissen Kreuz befohlen. Später am 1. Juli 1815 ordnete er am linken Arm eine rote Binde mit weissem Kreuz an und am 12. Oktober 1815 liess er den 4 Söldnerbataillonen, die aus fremden Diensten zurückkehrten, zum ersten Mal je eine rote Fahne mit weissem Kreuz übergeben. Dies waren die ersten eidgenössischen Bataillonsfahnen mit diesem Zeichen. Näfels steht also in besonderer Beziehung zu unserer Nationalfahne. Seit 1990 existiert in Näfels eine General Bachmann Gesellschaft.
8. Pfarrkirche St. Hilarius Das barocke Gotteshaus wurde von 1779 - 1781 gebaut, anstelle der ersten Pfarrkirche aus der Zeit der Reformation. Die Leitung der Arbeiten übertrug die Kirchgemeinde Näfels den bestbekannten Baumeistern Johann und Jakob Singer von Luzern. Ein grosser Teil der Arbeiten wurde in Frondienst geleistet. Die Innenausstattung schufen hiesige und auswärtige Fachleute. Die Deckengemälde malte Josef Eugen Kuen und die Bilder des Hochaltars Johann Melchior Wyss. Die erste Orgel, deren Prospekt heute noch besteht, baute der damals bekannte Baarer Orgelbauer Karl Joseph Maria Bosshard. Bis heute sind vier Teil- oder Gesamtrenovationen durchgeführt worden. Das Tolderhaus wurde 1551 durch Fridolin Tolder für seine Familie gebaut. Das mächtige gemauerte Haus zeigt spätgotische Reihenfenster und im stark veränderten Innern reich gestaltete Fenstersäulen. Seit einigen Jahren dient es der Oeffentlichkeit für Ausstellungen. Eine Innenrenovation nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wird in den Jahren 2002/2003 ausgeführt. Der Erbauer und das Gebäude Bevor im Glarnerland die frühe und starke Industrialisierung einsetzte, waren viele junge Männer gezwungen, ihr Brot als Söldner in fremden Diensten zu erwerben. Allein aus Näfels stammten 300 Offiziere und unzähIige Soldaten. Das Museum des Landes Glarus 1946 konnte das historische Museum eröffnet werden, das Gegenwart mit Vergangenheit, Geschichte und Kultur von Kanton und Volk verbindet. Das Textildruckmuseum Die Abteilung Glarner Zeugdruck ist 1988 im Dachgeschoss eingerichtet worden. Der Zeugdruck begann 1740 und erlangte im 19. Jahrhundert Weltgeltung. Informationstafeln und eine Tonbildschau führen in das Thema ein. Im Mittelpunkt steht der historische Hand- und Modeldruck; daneben werden auch modernste Verfahren vorgestellt. Die Zeugdruckereien produzierten für Absatzgebiete in aller Welt Kaschmir-, Schnupf- und Bildertücher, Schals, Türkenkappen und Batikartikel. Der Fabrikbau und die charakteristischen Trocknungstürme (Hänggitürme) werden mit Modellen, Ansichten und Plänen gezeigt. Auf dem Gebiet der Sozial- und Fabrikgesetzgebung leistete die Glarner Landsgemeinde-Demokratie im 19. und 20. Jahrhundert Vorbildliches. So verfügte Glarus über das erste Fabrikgesetz, welches die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren verbot, die Arbeitszeit in den Fabriken auf 11 Stunden, samstags auf 10 Stunden beschränkte und die Sonntagsarbeit für Frauen und Jugendliche abschaffte. Im Anschluss oder innerhalb des Rundganges, ab der Hauptstrasse, vor dem Weg zum Schlachtdenkmal, ist innert 10 Minuten die linth-arena sgu zu erreichen, das unter anderem mit einem Hallen- und Freibad aufwartet. Das Dorf Näfels ist ein kulturträchtiger Ort, aber ebenso kulturell sind die Menschen. Näfelser wissen zu feiern und zu trauern; frohe Anlässe werden freudig, die ernsten würdig begangen. Näfels und die Näfelser sind offen für andere und für die Welt. Seit 1988 ist Näfels als erster Ort im Kanton Glarus Europagemeinde. |
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